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Olga Vorobeva - AdobeStock; Titelfoto: Panta Managment GmbH; bohlen-eventim presse

 

GESUNDHEIT - WELLNESS - LIFESTYLE

Hundebesitzer sind nicht immer auch Tierfreunde

 

Tierqual

für Hundeausbildung

 

 

Die Tierrechtsorganisation PETA hat Strafanzeige gegen einen Dachshundeclub im Landkreis Schwandorf gestellt. Der Vorwurf: In deren Schliefenanlagen leiden Füchse für die Hundeausbildung unter permanenter Todesangst

 

Die Betreiber der Schliefenanlage Nähe des gemeindefreien Waldgebiets Wolferlohe und Burglengenfeld – der Dachshund Club Nordbayern e. V. Sektion Oberpfalz wurden bereits im Sommer dieses Jahres bei der Staatsanwaltschaft Amberg angezeigt. Laut PETA werden dort, wie in den über 100 anderen Schliefenanlagen in Deutschland, Füchse immer wieder in unterirdische Tunnel getrieben, wo sie von Hunden in Todesangst versetzt werden. PETA möchte damit auf die massiven und andauernden Qualen der Füchse in solchen Anlagen aufmerksam machen und fordert die Schließung der Anlage bei Wolferlohe sowie die Beschlagnahmung der dort möglicherweise noch immer eingesperrten Füchse.

 

 

Permanente Todesangst

 

 

„Es ist bezeichnend für Jäger und ihr blutrünstiges ‚Hobby‘, dass sie Füchse ohne Mitgefühl unvorstellbarer Todesangst aussetzen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter im Bereich Special Projects bei PETA. Schliefenanlagen kann man sich wie künstlich angelegte Fuchsbauten aus Rohren vorstellen. Die Röhren führen zu einem größeren Raum, der sich „Kessel“ nennt.  In dem Röhrensystem sollen abzurichtende Hunde die Witterung des im Kessel befindlichen Fuchses aufnehmen. Der Kessel ist durch Schieber vom Röhrensystem getrennt, so dass sich Hund und Fuchs nicht schon während der Ausbildung verbeißen können. Diese Hundeausbildung dient der Baujagd in der Natur. Da - in Jagdrevieren - sind solche künstlichen Bauten nach wie vor erlaubt. Jäger wollen damit die Füchse auch während der Paarungs- und Setzzeit animieren, in solche Anlagen zu gehen.  Dann werden Jagdhunde in die künstliche Bauten geschickt, die dann die dort lebenden Tiere – auch ganze Fuchsfamilien mit ihren Jungen – vor die Flinten der wartenden Jäger hetzen.

 

Künstliche Fuchsbauten in der freien Natur  wie z.B. auf dem Eitelberg bei Deuerling sollen Füchse animieren, den „Kessel“ als Fuchsbau zu nutzen, wo sie auch ihre Jungen zur Welt bringen. Die Tiere werden dann von Hunden nach draußen gehetzt und von den Jägern getötet.

 

 

Grausam und unnötig

 

„Schliefenanlagen für die Jagdausbildung müssen sofort verboten werden“, so Dr. Haferbeck von PETA. „Mit der Anzeige wollen wir die Grausamkeiten, die sonst im Verborgenen stattfinden, ans Licht der Öffentlichkeit bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.“ Ein Rechtsgutachten der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz e. V. (DJGT) kommt übrigens zu dem Schluss, dass der Betrieb von Anlagen zur jagdlichen Ausbildung von Hunden für die Fuchsjagd aus tierschutzrechtlichen Gründen untersagt werden kann.

Für den Bayerischen Jagdverband gibt es bezüglich der Ausbildung in den Schliefenanlagen keine Alternative. Die Schliefenanlagen in Deutschland werden seit Jahrzehnten von Erdhundezuchtvereinen betrieben. Die Baujagd sei ein „essenzieller und unverzichtbarer Teil zu effektivem Prädatoren-Management, welches dringend notwendig ist, um die wertvolle Artenvielfalt in Bayern langfristig zu erhalten“.

Auch der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) und seine Landesverbände argumentieren, man müsse die wachsende Fuchspopulation im Zaum halten, etwa, um der Ausbreitung von Seuchen (Tollwut) und Fuchsbandwurm Einhalt zu gebieten. „Tatsächlich kann man die Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln jedoch nicht regulieren: Je mehr Füchse durch Jagd oder Unfälle sterben, desto stärker steigt die Geburtenrate. Andersherum führt eine sinkende Sterblichkeit durch soziale Regulationsmechanismen der Fuchspopulationen zu weniger Nachwuchs. Von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zur vermeintlichen Bestandsreduktion zu bejagen, kann also keine Rede sein,“ erklärt der Verein Wildtierschutz Deutschland.

 

Fuchsjagd

– schonungslos

 

 

Es gibt bei uns in Bayern keine Schonzeit für Füchse. „Allerdings dürfen sie während der Aufzucht von Jungtieren nicht bejagt werden,“ erklärt Karl Frank von der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Regensburg. „Verstöße werden sogar streng geahndet.“ Die Frage ist natürlich, ob der Jäger auch immer gleich erkennt, dass der Fuchs, den er gerade vor dem Gewehr hat, für die Aufzucht gebraucht wird. Selbst in gängigen Jagdlehrbüchern (u.a. Blase, Die Jägerprüfung) wird auf die wichtige Funktion des Fuchsvaters hingewiesen. Kann er die Familie nicht mit ausreichend Nahrung versorgen, so beeinträchtigt dies die Kondition der Welpen in gravierendem Ausmaß und führt mitunter zu ihrem Tod. Ansonsten werden Füchse jedoch tausendfach getötet, was oft im Rahmen sogenannter Fuchs- oder Raubwildwochen geschieht. Statt eine Schonzeit einzurichten, bejagt man stattdessen die Tiere immer noch auch mit der besonders umstrittenen Bau- oder Fallenjagd. Da Fuchspelze kaum noch gefragt sind, werden die meisten erlegten Füchse kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt.

 

Unter kritischen Jägern spricht man vom Rotfuchs als „Wegwerfartikel Nummer eins“ in unseren Wäldern.

 

Im vergangenen Jagdjahr wurden laut PETA allein in Bayern über 100.000 Füchse durch Jäger getötet, bundesweit fast eine halbe Million Tiere. Weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die massenhafte Bejagung.

Am Eitelberg bei Deuerling im LKR. Regensburg betreiben die zuständigen Jäger seit vielen Jahren solche künstliche Fuchsbauten. Auch Lebendfallen wurden dort - inmitten eines Landschaftsschutz - und Ausflugsgebietes schon entdeckt. Der Tierschutzverein Regensburg bezeichnet diese Art des Jagens als mittelalterlich, grausam und unmenschlich. Laut Karl Frank von der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Regensburg ist das alles aber legal, da durch das geltende bayerische Jagdgesetz gedeckt.

In Luxemburg zum Beispiel ist die Fuchsjagd schon seit April 2015 verboten. Ein solches Verbot ist in Deutschland laut PETA längst überfällig.

 

Infos und Petitionen auf

www.peta.de sowie

www.wildtierschutz-deutschland.de

 

Direkt bei Redaktionsschluss

erreichte uns noch eine gute Nachricht für Tierfreunde, ein Zeichen, dass wir mit unserer kritischen Berichterstattung zur Fuchsjagd genau richtig liegen. Zu einer Schliefenanlage (siehe Beitrag S. 90) Nähe Bayreuth gab es etliche Artikel auch in der Frankenpost, Neue Coburger, Bayerische Rundschau u. a. Printmedien.

 

Die Anlage wurde jetzt geschlossen, der beschlagnahmte Fuchs kann ab sofort ein Leben ohne Angst in einer Fuchsauffangstation in Ostbayern führen!

 

DANKE im Namen aller Wesen, die ihr Leid nicht mitteilen können an alle Beteiligten, die dafür sorgen, dass immer mehr dieser unmenschlichen Trainingsanlagen geschlossen werden!  

 

 

 

Ein Plädoyer für die Abschaffung der Hobbyjagd

 

Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland kommentiert:

 

Welche Vorstellungen haben Sie von der Jagd? Dass Jäger sich um kranke und verletzte Wildtiere kümmern? Dass die Jagd gesundes Wildbret hervorbringt? Dass der Jäger ja nicht nur tötet, sondern auch „Hege“ betreibt und dass er den Wildbestand reguliert? Ich habe mich nun schon einige Jahre sehr intensiv mit dem Thema Jagd befasst und komme zu dem Schluss, dass die Jagd in ihrer heutigen Form auf den Freizeitfaktor reduziert werden kann. Es findet weder eine nachhaltige Reduzierung von Wildtierbeständen statt, noch gibt es belastbare Belege dafür, dass die Jagd – so wie es auch das Bayerische Jagdgesetz vorsieht – zu einem artenreichen Wildtierbestand beiträgt. Das Thema Nahrungsbeschaffung – wie neuerdings als Argument für die Jagd immer wieder zu hören – ist ebenfalls nachrangig. In Deutschland gibt es etwa 400.000 Jagdscheinbesitzer im Alter von 16 bis 98 Jahren. Sie töten Jahr für Jahr etwa sechs bis sieben Millionen Tiere, darunter legal auch Tierarten, die nach den Roten Listen der Länder und/oder des Bundes im Bestand als gefährdet gelten, z. B. Rebhuhn, Waldschnepfe, Feldhase, Hunde und Katzen.

 

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