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Titelfoto: KatharinaBaumann

Da schlucken manche Verbraucher schon, bevor sie die Milch öffnen: Bio-Milch kostet teils doppelt so viel wie konventionelle. Ist der höhere Preis gerechtfertigt? Grundsätzlich ja. Die Qualität des Lebensmittels ist hoch. Und die Anforderungen an Tierhaltung und ökologisches Wirtschaften liegen deutlich über dem Standard. Dennoch muss sich die Bio-Branche noch weiterentwickeln, wenn sie den Tieren, den Bauern und den Erwartungen der Kunden gerecht werden will.

 

Zu diesem Ergebnis kommen Birgit Hinsch und Jörg Döbereiner in Ihrer Veröffentlichung im Öko-Test Magazin vom Februar 2021. Viele Bio-Milchmarken im Test sind empfehlenswert, etwa ein Drittel der getesteten Produkte schneidet mittelmäßig ab und mit Bestnote bewertete Öko-Test nur Alnatura und Dennree.

 

Die meisten Milchprodukte schmeichelten dem Gaumen der Verkoster auch noch zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums. Die allermeisten Produkte hielten auch der Schadstoffanalyse stand.

Nur zwei fielen negativ auf: Gläserne Molkerei Frische Heumilch Bio und Upländer Bauernmolkerei Frische Bio Vollmilch. Sie enthielten laut Laborbefund auffällige Mengen des Keims Bacillus cereus. Einige Stämme dieses Bakteriums können den Verderb der Milch fördern, andere können bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Probleme auslösen.

 

Tierwohl und Transparenz:

Bio-Betriebe müssen sich an strengere Regeln halten

 

Bio-Milchbauern müssen in jedem Fall die gesetzlichen Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung erfüllen, um ihre Milch als Bio-Milch verkaufen zu dürfen. Unter anderem müssen sie ihre Kühe ins Freie lassen, ihnen im Stall mindestens sechs Quadratmeter Platz pro Tier gewähren, und sie dürfen kein genmanipuliertes Futter verfüttern. Die Kriterien zur ökologischen Bewirtschaftung des Hofes werden von unabhängigen Stellen kontrolliert, wobei es hierbei nicht vorrangig um die Tiere selbst geht. Unter anderem deshalb haben die Öko-Verbände Biokreis, Bioland, Gäa und Naturland eine Checkliste mit Tierwohlkriterien erarbeitet. Bei der jährlichen Öko-Kontrolle nehmen die Prüfer diese dann zusätzlich ins Visier.

 

Zusätzlich zum EG-Biosiegel trägt beispielsweise die Packung Rewe-Bio-Milch für etwas mehr als 1 Euro das Naturland-Siegel. Die getestete Milch von Edeka, Netto und Penny stammt von der österreichischen Molkerei Salzburgmilch. Auf den zuliefernden Höfen finden im Rahmen einer Initiative der Molkerei ebenfalls unabhängige Kontrollen des Tierwohls statt.

 

Traurig, aber wahr:

Auch Bio-Kühe dürfen am Hals im Stall angebunden werden.

 

Diese Ausnahmeregelung können die Kontrollbehörden für Betriebe mit maximal 50 Tieren genehmigen. Das bedeutet für die Kühe nichts Gutes: Sie können sich dann nicht einmal auf ihrem eigenen Platz umdrehen. Im aktuellen Öko-Test belegten nur vier Anbieter, dass an der Milch keine Kühe aus Anbindehaltung beteiligt waren.

 

Diese Haltungsform gehört abgeschafft,

meint Öko-Test und wir schließen uns gerne an.

 

Immerhin: Bio-Kühe in Anbindehaltung müssen während der Weideperiode auf die Weide und in der übrigen Zeit mindestens zweimal pro Woche auf ein Freigelände; das nennt man Öko-Kombinationshaltung. Bioland, Naturland und Gäa verbieten, Anbindeställe neu zu bauen. Alle Ergebnisse im Detail und Hintergrund-Informationen finden Sie auf www.oekotest.de

 

 

 

ES GEHT AUCH ANDERS!!

 

 

Eine übliche Alternative sind Laufställe. Das heißt, die Tiere bewegen sich zwischen ihrem Liegeplatz, der Futterstelle und dem Melkstand.

 

Bei immer mehr bayerischen Bauern gewinnt das Thema Tierwohl an Bedeutung. Ein gutes Beispiel finden wir im beschaulichen Rengersricht in der Marktgemeinde Pyrbaum.

 

Hier ist die Hofmolkerei Kneißl beheimatet, ein Familienbetrieb mit langer Tradition, wo der Milchviehbetrieb schon lange mit eigener Nachzucht geführt wird.   „Artgerechte Tierhaltung ist uns sehr wichtig,“ betont Michael Kneißl. „Wir haben schon in unserem alten Stall, das war 1994, keine Anbindehaltung mehr gehabt.“ Richtig viel Geld wurde dann 2013 in die Hand genommen, um einen neuen Freilaufstall zu bauen. „Im November 2013 sind dann 75 Milchkühe eingezogen und wir schauen drauf, dass es denen richtig gut geht. Sie bewegen sich frei und entscheiden z.B. auch selber, wenn sie zum Futterplatz gehen wollen.“

 

Grundsätzlich füttern die Kneißls nur gentechnikfrei und Futter aus regionalen Bezugsquellen. Im neuen Stall der Hofmolkerei gibt es außer viel Freiheit und Auslauf auch einen großen Strohbereich für Kälber und ihre Mütter. Die unabhängigen Prüfer, die alljährlich z. B. für das Siegel ’Geprüfte Qualität Bayern‘ den Hof in Augenschein nehmen, dürften ihre helle Freude haben - genauso wie die Tiere selbst.

 

Immer mehr Supermärkte in der Region bieten Milchprodukte aus solcher tierfreundlicher Haltung an. Hier lohnt ein Blick auf die Verpackung. Letztlich sorgt unsere Kaufentscheidung dauerhaft auch für mehr Tierwohl. Und dafür zahlt man gerne ein paar Cent mehr.

 

Produkte  aus der Hofmolkerei Kneißl gibt’s in immer mehr REWE-Märkten, z. B. in Nittendorf und Obertraubling sowie beim Direktvermarkter „Kartoffelhaisl“ in Pfakofen.

 

Mehr dazu: https://www.hofmolkerei-kneissl.de/

 

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