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Titelfoto: KatharinaBaumann

Wenn ein leerer Akku Angst macht und was Sie dagegen tun können

NOMOPHOBIE

Mal ehrlich, werden Sie nervös, wenn Sie merken, Ihr Handy-Akku schwächelt und Sie haben gerade keine Möglichkeit, ihn wieder aufzuladen?

 Fühlen Sie sich hilflos oder reagieren gar panisch?

Vielleicht sind das erste Anzeichen einer Angststörung, die durch die Corona-Krise noch verstärkt werden kann. Unsinn? Laut Studien fühlen sich 66 % unwohl, wenn Ihr Handy nicht greifbar ist.

Das Phänomen „Nomophobie“ (aus dem engl. „No-Mobile-Phone-Phobia“, übersetzt „Kein-Mobiltelefon-Angst“), ist relativ neu und beschreibt die Angst vor Unerreichbarkeit, wenn also Menschen z. B. an einer übertriebenen Angst leiden, den Kontakt zu Familie oder Freunden nicht aufrechterhalten zu können und deshalb versuchen, ständig und überall erreichbar zu sein. Hier gibt das Smartphone Sicherheit vor Isolation und dem Gefühl, verlassen zu werden. Viele Nomophobiker besitzen sogar ein zweites Mobiltelefon.

Diese Angststörung wird durch die Corona-Krise wohl noch gefördert. Wir verbringen noch mehr Zeit vor den Bildschirmen und das Smartphone ist für viele die wichtigste Verbindung zu Familie, Freunden und Kollegen geworden. Bei 39 % gilt der letzte Blick vor dem Schlafengehen dem Handy und jeder Zweite schaltet es niemals aus.

 

Wo beginnt die Abhängigkeit?

 

Nomophobie kann also mit Angst- oder Zwangsstörungen einhergehen, vor der Angst des Alleinseins. Bislang ist das Phänomen aber noch nicht ausreichend erforscht und so kann hierbei nicht von einer eigenständigen Erkrankung gesprochen werden.

 

„Eine Handysucht an sich gibt es nicht, denn das Mobiltelefon ist ja nur Mittel zum Zweck und ein Alkoholiker ist ja auch nicht süchtig nach den Flaschen,“ erklärt Prof. Christian Montag von der Uni Ulm. Und das mache die Diagnose so schwierig. Aber als typisches Abhängigkeitsverhalten gilt z. B. das „Phantomklingeln“, was heißt, wir hören das Handy piepsen, obwohl keine Nachrichten oder Anrufe eingegangen sind.

 

Für Menschen, die wissen möchten, ob das Handy bereits zu viel Kontrolle über ihr Leben hat, hat Prof. Montag einen kostenlosen Selbsttest entwickelt, zu finden auf www.smartphone-nutzung.de.

 

Währet den Anfängen

- Digital Fasten

 

Bei der Behandlung von Nomophobie setzen Therapeuten oft auf das Konfrontationsprinzip. Betroffene werden ermutigt, sich regelmäßig in Angst erzeugende Situationen zu begeben (z.B. das Handy bewusst zu Hause liegen zu lassen) und auftretende Ängste oder Symptome nicht zu unterdrücken, bis die Beschwerden abnehmen. So sollen sie lernen, ihren Alltag auch ohne ständige Handynutzung meistern zu können. Bewältigungsstrategien wie z.B. Atem- oder Sportübungen können helfen, sich vom übermäßigen Handykonsum abzulenken.

 

Verzichten Sie manchmal bewusst auf digitale Medien?

 

„Digitales Fasten“ ist für viele von uns kein Thema. Es muss ja auch nicht gleich radikal geschehen. Ein guter Anfang ist das tägliche Ausbalancieren: Wie viel Handy braucht man wirklich? Wann muss ich Mails wirklich abrufen? Beobachten Sie Ihr Verhalten einmal ganz bewusst, legen Sie digitale Pausen ein und nutzen Sie die gewonnene Zeit, um sich dafür zu belohnen. 30 Minuten statt Smartphone Waldlauf oder Gassi-Runde, 30 Minuten analoge Erfahrungen, die Natur beobachten, mit Menschen „Face to Face“ kommunizieren oder 30 Minuten einfach mal nur auf einer Wiese liegen und in den Himmel schauen.

 

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