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Titelfoto: Mathias Neubauer

Das Seelenleben des Scheidungspudels

 

Bei der Scheidung wurde Willy erstmal nicht gefragt. „Hund W., acht Jahre alter Pudel, Fell grau“ war in den Papieren zu lesen und gleich nach der Trennung riss sein Frauchen das Sorgerecht für den betagten Rüden einfach an sich, was dem Ex-Gatten gar nicht gefiel. Er wollte auf seinen vierbeinigen Liebling nicht verzichten und klagte auf Herausgabe des Hundes. Alternativ stellte er den Antrag, ihm zumindest ein Umgangsrecht mit Pudel Willy zuzugestehen.

So trafen sich die geschiedenen Eheleute abermals vor Gericht. Die Frau weigerte sich beharrlich, ihrem Ex-Mann den Hund zu überlassen. Das Tier dürfe sich nicht „in seinen Bezugspersonen hin- und hergerissen vorkommen.“ Der Gatte argumentierte, ein Umgangsrecht entspreche auch den Interessen des Hundes.

Juristischer Sachverstand allein genügte für diesen Fall nicht und so beauftragte das Amtsgericht Bad Mergentheim einen tierpsychologischen Sachverständigen, um die Auswirkungen eines Umgangsrechts auf den Gemütszustand von Scheidungspudel Willy herauszufinden. Das Ergebnis: „Es erwies sich in der mündlichen Verhandlung als durchaus eindrucksvoll, dass der Hund W., nachdem er von der Leine genommen war, sich sofort zielstrebig zum Antragsteller begab, sich von diesem bereitwillig auf den Schoß nehmen ließ und dort deutliche Zeichen des Wohlgefallens von sich gab; z. B. leckte er das Gesicht des Antragstellers mehrfach ab.“ Nun war die Sache für das Gericht klar. Um zu vermeiden, dass mit Willy – einem Mitgeschöpf – völlig willkürlich umgegangen werden dürfte, entschied es:

„Der Antragsteller hat das Recht, Hund W., der sich bei der Antragsgegnerin befindet, zweimal monatlich zu sich zu nehmen, um mit ihm zusammen zu sein und auch spazieren zu gehen. Diese Begegnungen zwischen dem Antragsteller und dem Hund finden jeweils am ersten und dritten Donnerstag eines jeden Monats in der Zeit von 14 bis 17 Uhr statt. Der Antragsteller wird den Hund jeweils um 14 Uhr bei der Antragsgegnerin abholen und ihn dann bis spätestens 17 Uhr wieder dorthin zurückbringen.“

Und des Pudels Kern? Wozu Zweibeiner vor Gericht sogar Sachverständige bemühen müssen, entscheiden Vierbeiner ohne jegliche Hilfe in Sekunden – mit Herz.

 

(AG Bad Mergentheim, 1 F 143/95).

 

 

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