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Titelfoto: Tobias Schult

 

Man kann nichts dafür, wenn man jünger und kleiner ist als andere, denn den Zeitpunkt seiner eigenen Geburt kann man nicht beeinflussen. Blöd ist bloß, dass einen die größeren, die schon früher geboren sind, oft ärgern bzw. tratzen, wie man hierzulande sagt. Aber es gibt auch kleine Buben, die wissen sich zu helfen. Der Josef ist so einer und deshalb wurde es für ihn am Schilift trotz der Sticheleien einiger größerer Buben

 

EIN SCHÖNER WINTERTAG

 

von Toni Lauerer

 

Ich heiße Josef, aber alle sagen Sepperl zu mir. Bloß Mama nicht, die sagt Spatz, wenn ich brav bin, und Hunzkrippl, wenn nicht. Aber das ist jetzt wurscht, denn darum geht es nicht.

Am Samstag war ich beim Schifahren, obwohl ich es nicht recht gut kann, aber trotzdem gefällt es mir, und mein Opa sagt, das ist die Hauptsache. Und darum hat er mich  um elfe mit dem Auto zum Schilift hingefahren, das dauert von daheim aus nur zehn Minuten und er hat gesagt, umara drei holt er mich wieder. „Gib fei acht, dass du dir nix obrichst!“, hat er gesagt und dann hat er noch gesagt, ich soll mir nix gefallen lassen, weil ich klein bin und die größeren Buben mich vielleicht tratzen wollen.

„Aber dir fällt schon was ein“, hat er gesagt, „weil du bist zwar erst acht Jahre alt, aber schon hübsch ein Hunzkrippl!“ Dann hat er gelacht und dann hat er mir noch eine Liftkarte für zehn Fahrten gekauft und dann ist er heimgefahren.

 

Ich bin gleich zum Lift hin und habe mich angestellt und ein großer Bub ist mit mir hinaufgefahren, der war schon mindestens vierzehn, eventuell fünfzehn. Obwohl er einen Helm aufhatte und eine Schibrille, hat man gleich gesehen, dass es ein Depp ist!

Wie wir hinauffuhren, hat er mich geschimpft, weil ich so klein bin und er hat gesagt, dass ihm alles weh tut beim Liftfahren, weil ich gegen ihn ein Gnom bin und er sich voll hinunterbuckeln muss, dass es sich ausgleicht und es uns nicht aus dem Lift heraushaut. Ich weiß nicht genau, was ein Gnom ist, aber bestimmt nichts Gescheites.

 

 Ich habe nichts gesagt, weil er größer war, aber ich habe nachgedacht und mir ist etwas eingefallen!

Als wir ganz oben waren, sind wir aus dem Lift heraus und er war ganz schief vom Liftfahren, vom Liftfahren eigentlich nicht, sondern vom Hinunterbuckeln. Mei, selber schuld, er hätte ja nicht mit mir hinauffahren brauchen, aber er tat es. Und Gnom hätte er nicht sagen brauchen zu mir.

Er hat sich gedehnt und gestreckt, dass er wieder gerade wird, denn ein schiefer Mensch kann nicht schifahren und wenn, dann nicht gut. Ich habe einen Mann gesehen, der ist auch gerade aus dem Lift heraus und wollte hinunterfahren und der hat so ähnlich ausgeschaut wie Conan, der Barbar. Er war vom Typ her ein Zweier: Zwei Meter groß und zwei Zentner schwer. Zu dem bin ich hin und dann habe ich zu ihm gesagt: „Bloß dass du es weisst, der wo sich dort drüben so dehnt und  s

 

Dann bin ich ganz langsam weitergefahren, damit ich sehe, was passiert – und ich habe es gesehen!

Der Barbar ist zu dem schiefen Bub hingefahren. Dieser war schon fast wieder gerade vom Dehnen und Strecken, aber der Barbar hat ihm so eine geschmiert, dass er gleich wieder schief war und er hat total blöd geschaut, weil er nicht wusste, wieso.

 

Da war ich beruhigt und bin hinuntergefahren. Wenn er nicht Gnom zu mir gesagt hätte, hätte er den Barbar nie kennengelernt, jetzt kennt er ihn – selber schuld!

 

Ich bin dann noch viermal hinauf- und hinuntergefahren und keiner hat mich gestört oder etwas Blödes zu mir gesagt und es war sehr schön, fast schon langweilig.Aber bei meiner sechsten Fahrt war wieder etwas: Hinunterzu musste ich immer im Schneepflug fahren, weil es war recht steil und ich kann ja nicht sehr gut schifahren und ohne Schneepflug hätte es mich geworfen. Plötzlich hörte ich hinter mir jemanden schreien und der schrie: „Aus dem Weg, du Kriechtier! Schau, dass du weidakimmst und halt ned den ganzen Betrieb auf! Bist du a Schneck oder was?“

 

Vor lauter Schreck über den Schneck warf es mich und wie ich dortlag, sah ich vier junge Burschen vorbeifahren und sie lachten wie noch was. Einer rief: „Ja verreck, a weißer Schneck!“

Das hat mir mords gestunken und ich hatte einen Zorn auf die Deppen. Ich dachte mir, wenn es passt, dann tue ich ihnen etwas an, was sie ärgert. Auf der Fahrt fiel mir ein, was das sein könnte.

Als ich ganz unten war an der Talstation, sah ich sie wieder, aber sie mich nicht. Sie schnallten ihre Schi ab und steckten sie in den Schnee und die Schistecken auch. Dann gingen sie in das Liftstüberl, denn da gibt es Wienerln und einen Glühwein und ein Klo. „Etza wird getrunken und geschifft, dann geht es wieder an den Lift!“, schrie einer und die anderen lachten und sagten: „Kevin, du bist zwar nicht ganz dicht, aber trotzdem direkt ein Dichter!“

Ich dachte mir: „Das werden wir dann schon sehen!“

 

Als sie im Liftstüberl drinnen waren, hab ich meine Schi auch abgeschnallt und bin zu ihren Schiern hin und habe von jedem einen Schi weggetan und auf der hinteren Seite vom Liftstüberl, wo man nicht hinsieht, in den Schnee gesteckt und einen Stecken auch.

Ich dachte mir, mit einem Schi sind sie auf jeden Fall langsamer als ich mit zweien und dann sind sie der Schneck und nicht ich!

 

Ich bin dann wieder auf die vordere Seite vom Liftstüberl gegangen und habe gelurt, bis die vier Deppen wieder herausgekommen sind. Es hat mindestens eine Viertelstunde gedauert, aber auf vier blöde Gesichter eine Viertelstunde warten, das ist es wert.

Wie sie herausgekommen sind, haben sie noch gelacht und einer hat gesagt: „Zwoamal no voll Schuß, dann machma für heit Schluß!“ und die anderen drei Deppen haben gesagt: „Yeahhh!“

Ich habe mir gedacht, das wird nix mit zweimal Schuss, nicht einmal einmal, weil mit einem Schi und einem Stecker geht Schuß ganz schlecht und wenn, dann geht der Schuß nach hinten los.

Dann wurde es richtig lustig, denn dann haben sie es gespannt, dass ebbs nicht stimmt!

Zuerst hat es der dickste von allen gespannt. Er sagte: „Hä, wos gehtn do ab? I glaub, mei Schwein pfeift! Bei mir is bloß oa Schi und oa Stecker da! Shit!“

 

Die anderen lachten, aber bloß ganz kurz, denn sie merkten sehr schnell, dass ihr Schwein auch pfiff! Sie waren ganz auseinander und suchten wie die Wilden die zweite Hälfte von ihrem Zeug, aber sie fanden sie nicht. Ich hätte ihnen helfen können, aber ich tat es nicht, weil sonst hätten sie mich wahrscheinlich erschlagen mit dem übergebliebenen Schistecker, mindestens hätten sie mich grün und blau gehaut oder lila!

 

Total lustig wurde es, als sie anfingen, zu streiten! Einer sagte: „Männer von Galiläa“, da wohnen sie wahrscheinlich, „wir müssen die Polizei anrufen, weil das ist Diebstahl!

Irgendwer hat uns einen Schi gestohlen und einen Stecker!“

 

Dann haben die anderen drei gesagt: „Also Veit-Ole, bist du bloß bläd oder wos? Die hat doch niemand gestohlen! Warum soll oaner einen Schi stehlen und einen Stecker? Des is doch total sinnlos!“

Aber Veit-Ole gab nicht nach und sagte: „Jaaaha, momentan schon! Aber wenn er morgen zum Beispiel den anderen Schi stiehlt und den anderen Stecker, dann hat er alles komplett!“

Obwohl ich erst acht Jahre alt bin, bin ich schlauer als Veit-Ole! Denn wie soll ein Dieb

wissen, wo der andere Schi am nächsten Tag ist. Der weiß ja gar nicht, wem der Schi gehört und wo der wohnt. Und zum Schilift herauf wird der Bestohlene mit einem Schi auch nimmer kommen, weil es ein Schmarrn wäre. Einer von den anderen drei hat Veit-Ole mit der Hand auf das Hirn gehaut und gesagt: „Du hast deinen Quadratschädel auch bloß auf, dass es dir ned in den Hals hineinregnet!“

 

Dann haben sie weitergesucht, aber nichts gefunden. Darauf, dass sie hinter dem Liftstüberl schauen, sind sie nicht gekommen. Und da geht man auch nicht gerne hin, weil da immer die Männer zum bieseln hingehen, weil im Liftstüberl ist nur ein kleines Klo und darum ist der Schnee auf der Vorderseite vom Liftstüberl weiß und hinten oft gelblich.

Dann sagte einer von ihnen zu einem anderen von ihnen: „Hä Gürsül, wos moinst du, wou sans, de Schi?“

Darauf sprach Gürsül: „Ey Mann, ischglaub, dass da etwas nich stimmen tut, da is was voll faul, Mann, ischschwör!“

 

Veit-Ole sagte zu ihm: „Also Gürsül, du bist echt a Schnellmerker, Hut ab! Des hätt i ned

glaubt, dass do ebbs ned stimmt!“

 

Das passte Gürsül gar nicht recht, denn er sagte zu Veit-Ole: „ Ey Mann, reiss dir bloss

zusamm, ey, isch hau dir gleich in de Fresse, du Assi! Das schwör isch disch!“

Es war so lustig und alle Leute hatten eine Gaudi, bloß die vier Deppen nicht. Ich war ganz stolz, weil ohne mich wäre keine Gaudi gewesen!

 

Auf einmal kam mein Opa daher und ich war baff, dass es auf der Uhr schon soviel war. Er fragte „Was ist denn hier für ein Gschroa?“ und ich sagte „Ach, nix Wichtiges, das sind nur vier Deppen, die ihre Schi nimmer finden!“

 

„Ja, wie gibt’s denn das?“ fragte Opa und ich sagte „Das ist mir auch ein Rätsel, weil ein Schi kann doch ned einfach so verschwinden!“

„Naja, uns kann es ja wurscht sein!“, lachte Opa, „jetzt komm, ich fahr dich heim! War sonst noch was?“ „Nein“, antwortete ich, „alles war normal, direkt langweilig!“

 

Das mit dem dicken Barbar und dass ich die Schi versteckt habe, habe ich ihm nicht erzählt.

Das braucht es auch nicht, weil mein Opa weiß eh, dass ich ein Hunzkrippl bin!

 

Aus dem aktuellen Weihnachtsbuch von Toni Lauerer

A scheene Bescherung

Neue Geschichten zur Weihnachtszeit

erschienen im

Battenberg Gietl Verlag

14,90 €

 

Auch als Hörbuch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TOLLER WUNSCH

 

Kare: Ha, wia de Zeit vergeht!

Sepp: Man kimmt kaam mehr mit!

Kare: Owa ehrlich! In sechs Dog is scho wieder

 Weihnachten!

Sepp: Ja eben! War doch erst letzts Jahr!

Kare: Genau! Und? Alles vorbereitet?

 Gschenke kafft?

Sepp: Jaja, alles erledigt! Da

 Bua kriagt a Handy und d’Tochter a

 Kriegsbemalungsausrüstung.

Kare: A Kriegsbemalungsaurüstung? Wos is nacha des?

Sepp: A Schminkkofferl!

Kare: Achso! Und d’Frau? Wos kriagt de?

Sepp: Nix!

Kare: Nix? Bist sauer aaf sie oder wos?

Sepp: Überhaupt ned, im Gegenteil! Owa de will nix!

Kare: Ehrlich?

Sepp: Wennes dir sog! I hobs ja extra gfragt!

  „Renate“, hob i gsagt zu ihr, „Renate, wos magst du   heier zu Weihnachten?“ Dann sagt sie: „Sepp,   wenn i ganz ehrlich bin: Nix waar mir lieber als a    Schmuck!“ Und drum kriagts Nix!

 

 

 

Sein Talent, das Alltägliche mit seinem speziellen Witz zu würzen, hat ihn zu einem der erfolgreichsten bayerischen Humoristen gemacht. Eine Kostprobe davon gibt es täglich in BAYERN 1. Hier nimmt der Oberpfälzer das Leben aufs Korn, wie es aus dem Radio zu ihm kommt. Alle fast 300 ! Episoden gibt’s zum Nachhören als BR-Podcast.

 

Fotos: Toni Lauerer

 

 

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