Gesund

in der Region

Mehr als 50 Prozent der Deutschen sind übergewichtig. Und nicht wenige von ihnen planen vielleicht schon die nächste Diät. Doch noch rechtzeitig vor dem Frühling kommt die Nachricht, auf die wir schon lange gewartet haben:

Dicke leben länger!

Wer dick ist, sollte lernen, sich zu zügeln, einfach mal bisschen zusammenreißen! Das sind so die gängigen Formulierungen, die man zum Thema Fettleibigkeit hört. Aber würde diese Zügelung wirklich zum Erfolg führen? Inzwischen gibt es auch Studien aktuelleren Datums, die bisherige als sicher geltenden Fakten zum Thema Abnehmen vollständig auf den Kopf stellen. Eine Forschungsgruppe des Center for Disease Control and Prevention in Atlanta kam zu dem Ergebnis, das Übergewichtige und Menschen mit leichtem Hang zur Fettleibigkeit länger leben als die mit normalem Gewicht. Und diese für manche erleichternde Erkenntnis beruht immerhin auf einer Metaanalyse von 97 Studien mit rund 2,88 Millionen Probanden. Dicke haben zwar ein höheres Risiko für Diabetes und Herzprobleme, diese Krankheiten sind heutzutage aber sehr gut zu behandeln. Andererseits seien diese Menschen aber offenbar auch widerstandsfähiger bei schweren Erkrankungen, wie etwa Krebs und erlitten seltener Knochenbrüche, so die Studie.

 

Auch in Deutschland gibt es längst Mediziner, die zum gleichen Schluss kommen. Prof. Dr. med. Achim Peters von der Universität Lübeck ist Diabetologe, Internist und Hirnforscher und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit genau diesem Thema.

Diese provokanten Thesen stehen im Zentrum seines bereits vor 6 Jahren veröffentlichten Buches „Mythos Übergewicht“. Seine Annahme beruht auf den Ergebnissen der klinischen Forschergruppe „Selfish Brain“, die schon 2004 an der Universität eingerichtet wurde. Experten aus den Bereichen der Hirnforschung, Psychiatrie, Neuroendochronologie, Pharmakologie, Biochemie, Chemie und Mathematik werteten dafür insgesamt 12.000 Studien aus.  Und die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg sagt, ebenfalls nach Auswertung von Studien: „Die höchste Lebenserwartung liegt bei einem Body Mass Index (BMI) von 27“.

 

Dann also nie mehr Diät?

 

Falsch ist es auf jeden Fall, immer wieder zwangsauferlegte Hungerkuren gegen das eigene Empfinden zu starten, ist Achim Peters überzeugt. Denn früher oder später futtert man sich dann die kurzfristig verlorenen Kilos wieder an. Und das liegt nicht am Hunger, am Bauchgefühl, sondern an unserer „Schaltzentrale“. Das ist der eigentliche Kern der Forschung von Professor Peters. Eine übrigens auch von Ärzten kaum beachtete Erkenntnis des Mediziners lautet: Der Misserfolg einer Diät hat rein gar nichts mit dem Willen oder der Entschlossenheit des Patienten zu tun. „Diäten scheitern, weil sie gegen ein elementares Naturgesetz des menschlichen Organismus verstoßen: das Gesetz der Energieversorgung des Gehirns! Unser selbstsüchtiges Gehirn reagiert auf Engpässe in der Energieversorgung mit Panik und regt daraufhin in normalen Zeiten die Anlegung von Depots an.“ Und dann wird gefuttert!

 

Die ungesunde Seite von Diäten

 

Weil unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob eine Nahrungsmittelknappheit durch eine Diät freiwillig oder durch eine Hungersnot unfreiwillig geschieht, deutet es eine Unterversorgung als Notsituation – und startet einen Notfallplan: Dabei werden der Stoffwechsel und die Körperfunktionen heruntergefahren, um Energie zu sparen. Medizinisch bedeutet das dann auch: Es kann zu Nebenwirkungen kommen – wie z.B. depressive Zustände, Muskelschwund, Knochenabbau, Gedächtnisschwäche, Müdigkeit oder Rückenschmerzen. „Tatsächlich kommt es ausnahmslos bei jeder kalorien- oder kohlenhydratreduzierten Diät – auch wenn sie von Ärzten als noch so schonend und gesund angepriesen wird – zu Nebenwirkungen. Die allerdings werden verschwiegen“, erklärt Professor Peters.

 

 

 

 

 

Dicksein macht nicht krank, sondern schützt sogar vor Krankheit. Der wahre Grund für das Dickwerden ist Stress. Diäten sind sinnlos, gefährlich und nur ein milliardenschweres Geschäft.

 

 

 

 

 

Dann lieber Abnehm-Pillen?

 

„Blos nicht! Noch schlimmere Folgeschäden,“ meint Professor Peters. „Es gab tatsächlich Versuche, Abnehmpillen zu entwickeln. Die Einführung dieser Präparate scheiterte allerdings jedes Mal an den damit verbundenen enormen Gesundheitsrisiken für die Behandelten, die sich eben nicht in den Griff bekommen ließen.“ Anders gesagt: Abnehmpillen sind mit ihren zum Teil gravierenden Eingriffen in den menschlichen Stoffwechsel extrem gefährlich – und aus diesem Grund „ist es unwahrscheinlich, dass sie überhaupt jemals zugelassen werden“.

Also Abnehmen ja, aber nur wenn man dies mit Kopf und Seele tut. Man muss lernen, negative Gefühle, den Stress unserer schnelllebigen und vermeintlich unsicheren Zeit in positive Wahrnehmungen umzuwandeln, Dinge tun, die gut für einen sind und so vielleicht ein glücklicherer und zufriedener Mensch werden. Man sollte sich fragen: Was belastet mich wirklich und versuchen, diese Belastungen aus dem Leben zu entfernen. Wenn man das nicht allein schafft, was nicht  immer einfach ist, kann man sich auch Hilfe holen, einen Coach zum Beispiel. So hat der Körper die Chance, gesund abzunehmen.

 

Mediziner Peters meint: „Es gibt keine ernstzunehmende Studie, die zeigt, dass eine Diät einen lebensverlängernden Effekt hat.“ Auch chirurgische Eingriffe wie z. B. Magenverkleinerungen sind seiner Meinung nicht ratsam. „Natürlich ist es gut, wenn man die Last der Pfunde vom Körper nimmt. Aber noch einmal: Ich warne dringend vor Diäten!“

 

 

Achim Peters: „Kalorienreduzierte Diäten sind ein Kunstfehler. Diäten sind Stress für den Körper. Wenn man damit den Hirnstoffwechsel belastet, erreicht man genau das Gegenteil!“

 

 

 

 

 

Achim Peters

Mythos Übergewicht

Warum dicke Menschen länger leben. Was das Gewicht mit Stress zu tun hat - überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung

 

Verlag: C. Bertelsmann

 

 

 

 

 

 

Titelfoto: Random House Susanne Krauss

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