Gesund

in der Region

„Nur“  zu dick oder krank?

Schätzungen zufolge leiden mehr als

3 Millionen Frauen in Deutschland an einem Lipödem.

Also etwa 8 – 10 % der weiblichen Bevölkerung sind von einer Krankheit betroffen, über die den meisten Menschen nichts bekannt ist und der viele Irrtümer anhaften.

 

 

LIPÖDEM

Das Problem mit krankhaftem Fett

 

Ein Lipödem oder ein Reiterhosen-Syndrom, wie es umgangssprachlich auch genannt wird, entsteht aufgrund einer lokalen Fettvermehrung im Unterhautfettgewebe bzw. einer gestörten Fettverteilung im Körper in Verbindung mit Wassereinlagerungen und einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. Meist äußert sich diese Veränderung nur in den Beinen (etwa 70% der Fälle), kann aber auch zusätzlich in den Armen auftreten. Der Körperrumpf, die Füße und Hände werden dagegen nicht beeinträchtigt. Erstmalig beschrieben wurde dieses Krankheitsbild im Jahr 1940 von zwei US-Amerikanischen Ärzten. Wie und warum es zu einem Lipödem kommt bzw. die genauen Ursachen dafür sind bis heute nahezu unbekannt. Eine in vielen Fällen feststellbare familiäre Häufigkeit legt die Idee einer genetischen Disposition nahe. Dass im Normalfall ausschließlich Frauen von einem Lipödem betroffen sind, deutet auf einen Einfluss des weiblichen Hormonsystems hin. Diese Vermutung wird umso mehr bekräftigt, da die Krankheit meist in jungen Jahren nach der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in der Menopause beginnt, also in Lebensphasen, die von hormonellen Umstellungen gekennzeichnet sind. Wenn Männer ein Lipödem entwickeln (was sehr selten der Fall ist), kann dies die Folge eines alkoholbedingten Leberschadens, starker hormoneller Störungen oder einer Hormonbehandlung sein.

 

Symptome und Merkmale

 

Zunächst ist herauszustellen, dass ein Lipödem nichts mit Übergewicht oder Adipositas zu tun hat. Wie oben beschrieben ist es eine Krankheit, deren Ursachen bisher nicht erforscht sind und nur vermutet werden können. Fakt ist aber, dass es nicht wie viele vermuten an einer Fehlernährung liegt. Maßnahmen wie eine entsprechende Ernährungsumstellung oder Sport haben daher lediglich eine mildernde Wirkung. Betroffene müssen wissen, dass ein Lipödem eine in ihrem Verlauf fortschreitende Erkrankung ist. Eine Behandlung im Sinne einer Heilung ist nicht möglich, aber der Verlauf kann durch bestimmte Maßnahmen zumindest abgemildert werden (siehe weiter unten im Text). Typische Symptome, die auf ein Lipödem hindeuten sind z.B. Beine, die anschwellen, dicker und schwerer werden begleitet von Schmerzen und einer zunehmenden Druck- und Berührungsempfindlichkeit. Auch wenn selbst bei kleinsten Stößen oder einer geringen Druckbelastung blaue Flecken auftreten, kann dies auf ein Lipödem hindeuten ebenso wie „Dellen“, die sich an der Hautoberfläche bilden oder immer größere Knoten, die im Unterhautfettgewebe auftreten. Auffällig ist zudem ein unproportionales Verhältnis von Hüfte zur Taille und der Umstand, dass das Fett durch Sport oder Diätmaßnahmen nicht reduziert werden kann.

 

Oftmals wird ein Lipödem zunächst nicht erkannt und mit anderen Erkrankungen oder häufig mit Adipositas verwechselt. Im Gegensatz zum Lipödem bleiben aber beim klassischen Übergewicht die Proportionen normal und es treten im Fettgewebe keine Schmerzen auf. Zudem kann Übergewicht durch körperliche Bewegung und eine entsprechende Ernährungsumstellung positiv beeinflusst werden, was jedoch beim Lipödem nicht gelingt. Aus diesem Grund ist es wichtig bei Verdacht auf ein Lipödem einen Spezialisten (Gefäßchirurg, Phlebologe, Angiologe) zu konsultieren, um eine gesicherte Diagnose zu erhalten, bzw. um andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu kann der Arzt auf körperliche (z.B. Verhältnis Taille zu Hüfte oder Taille zu Größe, Umfangs- und Volumenmessung der Arme und Beine) und bildgebende Verfahren (MRT, CT) zurückgreifen.

Behandlung

 

Da eine genaue Ursache für die Entwicklung eines Lipödems nur vermutet werden kann, ist eine Behandlung dieser Krankheit relativ schwierig und durchaus auch umstritten. Die Zielsetzung einer Behandlungsstrategie ist ziemlich klar: Es geht darum, Symptome und Schmerzen zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Zu den nicht-operativen Behandlungsoptionen gehört v.a. die „komplexe physikalische Entstauungstherapie“. Diese umfasst die manuelle Lymphdrainage, spezielle Wickelungen, durch die Wasser aus den Beinen gepresst wird, Kompressionstherapien (z.B. durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen) und eine intensive Hautpflege. Sportliche Aktivität ist ratsam, um v.a. die Beweglichkeit bzw. die Bewegungsfähigkeit zu erhalten. Dazu sollten Sportformen mit einem geringen Verletzungsrisiko und einer verträglichen Belastung gewählt werden (z.B. Schwimmen, Aqua-Fitness, Aqua-Jogging, (Nordic-)Walking, Fahrradfahren). Wenngleich eine strikte Ernährungsumstellung keine Auswirkung auf die Entwicklung der Krankheit hat, sollte doch auf eine gesunde und ausgewogene Ernährungsstrategie geachtet werden, um Übergewicht zu vermeiden und die allgemeine Gesundheit sowie das Wohlbefinden zu verbessern. Nicht selten werden betroffene Frauen wegen einer meist langen Krankheitsgeschichte und Frustration aufgrund erfolgloser Behandlungsinitiativen zusätzlich von Depression, Ängsten und Resignation geplagt. Auch Vorurteile anderer, die die Betroffenen als übergewichtig abstempeln, tragen dazu bei. In diesen Fällen sollte eine kompetente psychologische Betreuung unbedingt das Behandlungskonzept ergänzen.

 

Wer anhaltend Erfolg haben will in der Behandlung eines Lipödems, kommt um eine operative Fettabsaugung (= Liposuktion) nicht herum. Der Erfolg dieser Methode ist wissenschaftlich belegt und wird von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (= Fachgebiet für Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen) empfohlen. Im Gegensatz zu anderen Therapien sind positive Ergebnisse einer Fettabsaugung für Patienten sofort sicht- und spürbar. Allerdings gehört die Fettabsaugung bei einem Lipödem nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen und die Kosten für diese Operation werden nur in sehr seltenen Fällen (Einzelfallentscheidung) übernommen.

 

 

Fazit

 

Das Lipödem ist eine Erkrankung deren Ursache nicht bekannt ist und v. a. Frauen schicksalhaft heimsucht. Leider ist diese Krankheit fortschreitend und kann bis heute konventionell nicht aufgehalten werden. Dennoch ist den Betroffenen anzuraten auf eine gesunde Lebensführung zu achten, sich ausgewogen zu ernähren und sich körperlich zu betätigen. Auf keinen Fall sollte das Lipödem dazu führen, das Betroffene sich zurückziehen und resignieren. Natürlich muss schon darauf geachtet werden, dass diese Erkrankung behandelt wird. Aber auch in einem fortgeschrittenen Stadium sollte man offensiv damit umgehen und den Weg z.B. ins Schwimmbad nicht scheuen. Sinn macht es auch, andere Personen über die Krankheit zu informieren bzw. aufzuklären. Nur so können diese Menschen verstehen, dass Lipödem-Erkrankte normal, mit Bedacht und in Maßen das essen dürfen, wonach ihnen ist (vorausgesetzt es liegen keine Allergien oder Unverträglichkeiten vor). Und wem es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, für den steht mit der operativen Fettabsaugung eine effektive Behandlungsoption zur Auswahl.

 

 

Lipödem-Sprechstunde

und weitere Informationen zum Thema im

Gesundheitspark am Regenbogen in Cham

www.gesundheitspark-cham.de

 

Lipödem Hilfe Deutschland e.V.

832369 Rahden

www.lipoedem-hilfe-ev.de

 

Dr. Dominik von Lukowicz, München

www.ae-muc.de

 

Titelfoto: Random House Susanne Krauss

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