Donauwörth/Grafenau (obx/ GidR)
Die Integration eines einzigen minderjährigen Asylbewerbers kostet die bayerischen Kommunen 50.000 Euro im Jahr. Etwa die gleiche Summe kostet der Bau einer neuen Schule in Afrika. Mit seiner Initiative „1000 Schulen für unsere Welt“ zeigt der Landrat des Lankreises Donau-Ries Stefan Rößle seit mittlerweile acht Jahren, wie man mit Schulbauten aus Spendengeldern in Entwicklungsländern Kindern eine Zukunftschance gibt - auch als Alternative zur Flucht nach Europa.
Unglaubliche 280 Dorfschulen hat Rößles Initiative mit bisher über elf Millionen Euro gesammelten Spendengeldern vor allem in Afrika und Südamerika gebaut oder initiiert. 50.000 Euro - oft auch weniger - kostet jede dieser Schulen.
Aber wie kam Stefan Rößle überhaupt auf diese Idee? Was war die Initialzündung? „Ich habe damals immer wieder mit meiner Frau überlegt, was wir Sinnvolles für die Menschen in besonders armen Ländern tun könnten. Das war 2016, mitten in der Flüchtlingskrise. Man kann ja nicht einfach nach Afrika fliegen und einen Brunnen buddeln“, so der Landrat. „Dann lernten wir bei einem Vortrag Reiner Meutsch kennen, der mit seiner Stiftung FLY & HELP damals schon hunderte von Schulen in Entwicklungsländern aufgebaut hatte. Ich war so begeistert von seiner Initiative, dass ich ganz spontan sagte: Und jetzt verkaufe ich meinen Porsche und bau mit dem Geld auch eine Schule!“ Mit den 42.000 Euro finanzierte er seine erste Schule in Malawi. Zur gleichen Zeit plante man ein Schulzentrum im Landkreis Donau-Ries. Preis des damals auch von ihm mit initiierten Neubaus: über 50 Millionen Euro. „Mit dem Geld könnte man in Entwicklungsgebieten 1000 Schulen bauen“, rechnete sich Rößle damals aus und setzte sein Herzensprojekt konsequent um. Bis zum heutigen Tag hat er zusammen mit seiner Frau privat schon elf Schulprojekte finanziert.
Mit seinem Verein „1000 Schulen für unsere Welt“ begeistert der Kommunalpolitiker inzwischen in ganz Deutschland Vereine, Organisationen, sogar den Deutschen Städtetag sowie andere staatliche Institutionen und viele Kommunen, Verbände, Firmen und private Förderer. Allein in „seinem“ Landkreis Donau-Ries konnte Geld für über 90 Schulprojekte gesammelt werden. Auch andere bayerische Regionen machen mit, von Grafenau und Freyung im Bayerischen Wald bis hin zum Landkreis Fürstenfeldbruck, aus dem bisher bereits neun Schulen in Togo finanziert wurden. Die Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze ist Schirmherrin des gesamten Projekts.
Rößles Schulen in Afrika haben in der Regel mit drei Klassenzimmern jeweils Platz für etwa 200 Kinder. In manchen werden auch im Zwei-Schichten-Betrieb unterrichtet, erzählt der Landrat. Mindestens 50.000 Schulkinder hätten so in Afrika und Südamerika in den letzten Jahren von seiner unkonventionellen Bildungsoffensive profitiert.
Stefan Rößle hat bei der Realisierung der Schulbauten aus den Fehlern staatlicher Entwicklungshilfeprojekte gelernt. Vor Ort werden mittlerweile auch die Dorfbewohner durch Eigenleistung oder geringe finanzielle Beteiligung in die Realisierung eingebunden. Der Staat muss die Lehrer stellen. Sonst werden die Schulen nicht gebaut. In Sierra Leone wurde nach dem Modell aktuell auch ein Lehrerfortbildungsprojekt gestartet. Anderswo erwirtschaftet die Dorfgemeinschaft in schuleigenen Gärten Einnahmen für den laufenden Schulbetrieb.
Seinen 2023 offiziell gegründeten Förderverein wird er auf jeden Fall auch weiter mit voller Kraft expandieren lassen, sagt Rößle, der alles, was den Verein betrifft, nach eigenen Angaben ehrenamtlich insbesondere nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub gemanagt hat - Inspektionsreisen zu „seinen“ Schulen in Afrika inklusive.
Kritik, wonach es auch in den Schulen in Bayern Sanierungsbedarf gebe und das Geld besser hierfür verwendet werden könnte, lässt Rößle nicht gelten: „Zur Sanierung der Schulen bei uns sind die Steuereinnahmen da. Der Bau der Schulen durch unseren Verein erfolgt dagegen nahezu ausschließlich aus Spenden. Und diese Schulbauten in Afrika nützen uns allen, weil sie Kindern in ihrer Heimat eine Zukunftschance schaffen - statt als Asylbewerber unsere Sozialsysteme zu belasten.“
Schon bald wird der Landrat für sein Herzensprojekt mehr Zeit haben. 2026 verzichtet er auf eine erneute Kandidatur als Landrat. Er will sich künftig voll und ganz seinem Verein widmen. Das Ziel: finanziert von Spenden, irgendwann und irgendwo auch noch die 1000. Schule wieder in einer der ärmsten Regionen der Welt zu bauen.
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